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Joshua Schär

Das war der World Information Architecture Day 2018

Joshua Schär 22. März 2018

Auch dieses Jahr war We Are Cube am Start für den World IA Day 2018 in Zürich. Der World Information Architecture Day (kurz, WIAD) ist ein jährlicher Anlass, der vom Information Architecture Institute organisiert wird und das Thema Informationsarchitektur weltweit verbindet.

Informationsarchitektur (kurz, IA) steht für dieStruktur, mit der wir sicherstellen, dass die Informationen, welche Leute benötigen, einfach zu finden und zu verstehen sind. Die Informationsarchitektur ist gut, wenn du dich in einer App (z.B. SBB Mobile Preview) oder auf einer Webseite (z.B. Airbnb) aber auch in einem Laden (z.B. Migros) gut zurechtfindest und das findest, was du suchst.

Was wir von Architekten lernen können

Besonders begeistert hat mich die allererste Session mit Stephanie Akkaoui-Hughes, zum Thema „Architecting Interactions: Interactions are the Seeds of Innovation“. Stephanie ist Gründerin der Firma AKKA Architects in Amsterdam. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen, Kollegen und Kunden gestalten sie Räume, die Kreativität, Kollaboration und Interaktion fördern. Sie haben übrigens den Impact Hub in Amsterdam gestaltet und nutzen diesen selber als Arbeitsort.

Der Fokus auf die Kunden, über den Stephanie berichtete, faszinierte mich. Als Architekten sind sie nicht nur an der Form, sondern vielmehr am Flow interessiert: Wie verhalten sich die Menschen, die in den zu bauenden Räumlichkeiten arbeiten oder leben werden? Welche baulichen Massnahmen fördern Kreativität, Kollaboration und Interaktion? Wie muss der Kontext gestaltet werden, damit die gewünschte Interaktion zustandekommt?

Warum ist der Kontext überhaupt wichtig? Weil uns der Kontext, in dem wir arbeiten, beeinflusst. Rückzugsorte in einem Firmengebäude ermöglichen uns Erholung. Begegnungszonen fördern Interaktion zwischen den Mitarbeitenden. Auch Innovation kommt immer in einem Kontext zustande. Mit der Möglichkeit zur Ruhe, zur Abwechslung oder eben auch zu Gesprächen mit anderen Menschen können innovative Ideen entstehen. Aber der Kontext muss dies zulassen. Um herauszufinden, welche Art von Kontext geschaffen werden muss, kommt man nicht darum herum, mit den betroffenen Personen zu sprechen, diese zu beobachten oder zu befragen.

Auch als User Experience Designer gestalte ich den Kontext, in dem Benutzer mit einer Applikation interagieren. Oftmals ist der Kontext zwar schon klarer definiert, als ich mir das bei einem Stück Land vorstelle, auf dem neu gebebaut werden soll. Dennoch erfolgt die Interaktion mit Applikationen sehr unterschiedlich, da Benutzer gewissen Mustern folgen, aber auch eigene Wege finden, wie sie mit einer Applikation interagieren. Im Kontext der Architektur würde man sich fragen, wo sich gewisse Eingangs- und Ausgangstüren befinden, wo Türen überhaupt hinführen, ob Wege beschriftet sind usw.

Es geht jedoch darüber hinaus, dass sich Benutzer mit der App zurechtfinden. Gute Usablity ergibt sich, wenn ich meine Aufgabe mit dem entsprechenden Werkzeug schnell, einfach und erfolgreich ausführen, damit ich mich anderen Dingen zuwenden kann. Aber wie kann dies erreicht werden?

Auch dazu hat Stephanie interessante Gedanken geäussert, welche sich von ihrer Domäne auf meine Arbeit transferieren lassen. Womit ich zum Kernpunkt und dem primären Take Away ihres Referates komme.

Incomplete, Impermanent and Imperfect

Incomplete, Impermanent and Imperfect

Designe mit den Leuten, nicht für die Leute.

Das heisst, dass unsere Produkte eben nicht vollständig und perfekt sein müssen (und können), sondern unvollständig, unbeständig und imperfekt. Ich fasse diesen Zustand mit dem Begriff unfertig zusammen. Als begeisterter User Test Facilitator kann ich hier vorbehaltlos zustimmen. Denn User Tests sind ein Mittel, wie wir mit den Leuten eine unfertige Applikation gestalten, entwickeln und verbessern können. Am besten iterativ, immer wieder und nicht erst am Schluss der Produktentwicklung. Für Stephanie als Architektin heisst dies: „we have to be there“, also in den Räumlichkeiten, mit den Menschen. Durch Beobachtung erkennen wir Muster und Flows, durch Gespräche erfahren wir wichtige Informationen. In  meiner Tätigkeit käme dies beispielsweise einer Kontextanalyse gleich. Auch wir müssen mit den Benutzern sein. Sei dies in einer frühen Projektphase, indem wir zuerst auf die Leute zuegehen und evaluieren, ob und inwiefern ein Bedürfnis für eine vielversprechende Idee vorhanden ist (so wie wir es bei der innovativen, revolutionären lezzgo App gemacht haben, siehe dazu unseren Blog-Post). Oder auch später, während der Entwicklung von Produkten, indem die Benutzer in den Prozess miteinbezogen, d.h. zum Beispiel befragt oder zu einem Gespräch eingeladen werden.

Schon fast geschafft

Der World IA Day kann übrigens von allen Interessierten besucht werden. Typischerweise finden sich dort die sogenannten Informationsarchitekten, User Experience Designer, Content Specialists, Entwickler und alle Webenthusiasten. Und eben du.

Die gefilmten Referate und projizierten Slides stehen online zur Verfügung. Fotos des Events können hier angeschaut werden.

Vielen Dank an das Organisationsteam, den Speakers, allen Teilnehmenden und Mitgestaltenden. Es hat Spass gemacht und wir kommen gerne wieder.