Wie Joe Gebbia für Vertrauen wirbt

Mayra Overney
Mayra Overney, 31. März 2021

Vorurteile existieren grösstenteils auf einer unbewussten Ebene. Diese Voreingenommenheit kann die Art und Weise, wie wir Menschen behandeln, beeinflussen und dazu führen, dass wir diskriminieren, manchmal sogar ohne es zu merken.

Airbnb hat mit führenden Sozialpsychologen zusammengearbeitet, um Gastgebern und Gästen dabei zu helfen, die Vorurteile zu verstehen und sie in Empathie umzuwandeln.

 

VIDEO Joe Gebbia „Die Geschichte des Airbnb-Gründers (Wie Airbnb Vertrauen ein Gesicht gibt)“

 

Joe Gebbia, der Mitbegründer von Airbnb war felsenfest überzeugt, dass Menschen einander genug vertrauen können, um in Wohnungen Anderer zu übernachten. Wie hat er die Vorurteile gegenüber Fremden überwunden? U.a. durch gutes Design. 123 Millionen Übernachtungen später, verwirklicht Gebbia seinen Traum von einer Kultur des Teilens, in der das Design dazu beiträgt, Gemeinschaft und Verbindung zu fördern, anstatt Isolation und Trennung.

Was war die ursprüngliche Idee? In der Stadt San Francisco, wo Joe wohnte, fand eine Design-Konferenz statt. Alle Hotels waren ausgebucht. Joe hatte die Idee während des Events in seiner Wohnung jungen Designern Schlafmöglichkeit, einen kleinen Tisch, jeden Morgen Frühstück und Internetanschluss anzubieten. Er und sein Kollege erstellten daraufhin eine Website mit besagtem Angebot. Voilà, Airbnb war geboren.

Ein weiterer Kollege schloss sich den Zweien an und zu dritt wollten sie herausfinden, ob ihre Idee geschäftstauglich ist und machten sich sogleich auf die Suche nach Investoren. Leider erfolglos.   

Warum ist die Idee ursprünglich gescheitert? Niemand, der bei klarem Verstand ist, wollte in einen Service investieren, der Unbekannten erlaubt in fremden Häusern zu schlafen.

Warum? Als Kinder haben wir gelernt, dass Unbekanntes = Gefahr bedeutet.

Wie gewinnt man also Vertrauen? Wenn man mit einem Problem konfrontiert wird, greift man oft auf das zurück, was man kann. Im Fall von Joe Gebbia war dies Design. In der Kunstschule lernte er, dass Design viel mehr ist als nur Aussehen und Haptik. Design ist ein Gesamterlebnis. Ziel war zwischen Personen, die sich zuvor noch nie getroffen hatten Vertrauen zu schaffen. Die Frage war also: Ist es möglich mit Design Vertrauen zu erwecken?

Anhand einer Studie fand man heraus, dass gegenseitiges Vertrauen von Menschen abhängig davon ist, wie ähnlich sie sich hinsichtlich Alter und Wohnort sind. Wir vertrauen den Menschen am meisten, die uns ähnlich sind. Je mehr Unterschiede wir finden, desto weniger vertrauen wir. Das ist eine natürliche soziale Voreingenommenheit. Interessant wird es aber, wenn man einer Person einen Ruf hinzufügt. Im Falle von Airbnb sind dies Bewertungen. Bei mehr als 10 Bewertungen ist ein guter Ruf wichtiger als die Gemeinsamkeiten. Ein gut durchdachtes Feedback-System stärkt das Vertrauen also entscheidend. Richtiges Design kann helfen, unsere tief verwurzelten Vorurteile zu überwinden. Weiter ist Vertrauen davon abhängig, wieviel man von sich preisgibt. Das Unternehmen Airbnb baut auf der Hoffnung, dass das richtige Design helfen kann Vorurteile gegenüber Fremden zu überwinden.

Hinter reinen Geldtransaktion können, wenn es gut läuft, Beziehungen entstehen. Genau das ist was man mit der Share Economy erreichen will. Aber wie passt der Gedanke des Teilens mit Geldtransaktionen zusammen? Schliesslich handelt es sich hier um ein Business. Share Economy beschreibt einen Handel, der menschliche Beziehungen verspricht. Reisen heutzutage ist oft mit Fast Food zu vergleichen. Es ist effizient und verlässlich, aber wenig authentisch. Was wenn Reisen wie ein grossartiges Buffet aus lokalen Erfahrungen wäre? Was wäre, wenn es überall dort wo Sie sich befinden Einheimische gäbe, die Ihnen anbieten Viertel kennenzulernen, von denen Sie nicht einmal wussten, dass sie existieren. Heutzutage sind Häuser auf Privatsphäre und Trennung ausgelegt. Wie würde es aussehen, wenn Häuser von Grund auf so gestaltet wären, dass sie gemeinsam genutzt werden könnten? Wie würde es aussehen, wenn Städte eine Kultur des Teilens verinnerlichen würden statt Einsamkeit und Abschottung? Design kann helfen unsere tief verwurzelten Vorurteile von „Fremdes = Gefahr“ zu überwinden. Ist das nicht grossartig? Wofür können wir Design demnächst auch noch nutzen?